Gleichgewicht

In letzter Zeit gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass viele Menschen durch die stetige Veränderungen des Umfelds und den Rahmenbedingung, die den Alltag definieren, emotional am Limit der Belastung sind. Reizbarkeit und Unruhe bringt eine innere Unwucht ins gefühlte Leben. Es reicht. Kurz vorm Durchdrehen. Für den Verlust der eigenen Lebensqualität werden andere Verantwortlich gemacht. Alles wird als Angriff verstanden. Frust wird willkürlich irgendwo bei irgendwem abgeladen. Man pendelt emotional zwischen Rückzug und Angriff. Nimmt nur noch Negatives wahr und wird blind für das Wohltuende im Leben.

Sich selber gut tun wird immer aufs Neue verschoben. Dabei ist alles, was einem gut tut, richtig! Für den Geist. Für die Seele. Ein Gleichgewicht schaffen sollte nie aus dem Blickwinkel des Lebens verloren gehen. Der Fokus stets darauf ausgerichtet sein.

Oft wird es verschoben. Auf morgen. Auf Zeiten, in denen es ruhiger wird. Gleichwohl wissend, dass diese Zeiten nie von allein kommen werden. Vielleicht eine der größten Lebenslügen.

Für alles im Leben braucht es Zeit. Für alles, was nervt und belastet. Aber natürlich ebenso für alles, was Körper und Seele helfen, sich wohlzufühlen. Zeit ist aber nicht in endloser Masse vorhanden. Dies sollten wir uns jeden Tag aufs Neue bewusst sein.

Jedes Jahr, jeder Monat, jede Woche, jeder Tag, jede Nacht, jede Stunde verrinnt unwiederbringlich im Strudel unserer Lebenszeit. Sich dessen bewusst werden sollte sich jeder als elementare Aufgabe schenken.

Sich im von Routine und Hektik oft verplanten Alltag Wohlfühlinseln zu schaffen, ist oberstes Gebot.

Ein jeder gestaltet diese so individuell, wie es eben gut tut. Bei mir ist es unter anderem auch die Fotografie. Zwischen meinem Hauptberuf (den ich sehr liebe, aber der durchaus belastend ist) und meiner Fotografie ist mir deshalb ein Gleichgewicht sehr wichtig.

Für andere können es durchaus auch Fotos sein, die einem gut tun. Oder ebenfalls Musik, ein gutes Buch, inspirierende Gespräche, Kunst, Mode, Sex, kochen… alles, was Sonne in die Seele spült, ist erlaubt und erwünscht.

Sich selber gut zu tun bedeutet, sich selbst etwas zu gönnen. Das sollten wir uns wirklich wert sein. Denn wir sind wertvoll und kostbar.

Statt also eine Überforderung der Belastung zuzulassen, die uns zunehmends blind für alles andere macht, sollten wir des Öfteren mal STOP! sagen und das Leben entschleunigen, um ein Gleichgewicht in uns schaffen zu können.

Ja, das sagt sich so leicht. Denn dazu gehört Anfangs viel Kraft und Mut. Doch es lohnt sich, sofort damit zu beginnen.

Auch DU bist so wunderbar kostbar, es DIR selbst wert zu sein!

2 Kommentare zu „Gleichgewicht“

  1. Das ist wie ich finde eine sehr gute Beobachtung. Gerade wenn man nach einer Reise aus einer anderen Kultur zurück nach Deutschland kehrt, spürt man diese Anspannung und Unruhe der Menschen unserer Gesellschaft sehr deutlich. Das mag augenscheinlich verwundern, da doch viele von uns keine „Not“ leiden, bezieht man Not auf die wirtschaftliche Situation. Corona hat das sozial emotional angespannte Klima in unsere Gesellschaft meiner Meinung nach hervorgehoben. Dein Text bringt es präzise auf den Punkt und Dein Bildmotiv hättest Du nicht treffender dazu auswählen können. Würden mehr Menschen so denken und beobachten wie Du, müssten wir uns weniger Sorgen machen. Danke für diese kurze Erinnerung, an das, was jeder für sich selbst machen kann, um die Gesamtsituation zu verbessern und Gratulation zu diesem sehr tiefsinnigen Beitrag.

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    1. Axel Bröckling Autor

      Hallo Holger,

      Danke für Dein positives Feedback. Rückenwind ist ja immer etwas Feines. Daher freue ich mich mega über Deinen Kommentar.

      Ich denke auch, dass dieses angespannte Klima in unserer Gesellschaft schon vor Corona aus unterschiedlichsten Gründen, Ängsten und Erfahrungen schlummerte. Corona wurde in Deutschland nur zum entsprechenden Ventil.

      Liebe Grüße. Bleib gelassen und gesund 🙂

      Axel

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